Das Vaterunser ist das bekannteste Gebet des Christentums und das einzige, das - laut Neues Testament - Jesus von Nazareth seine Jünger zu beten gelehrt hat. Aber es wird nicht nur gesprochen, sondern auch gesungen. Gleich sechs vokale Interpretationen des "Gebets des Herrn" erlebten die Zuhörer, die zum vorweihnachtlichen Kirchenkonzert des Sängerbunds Wiesental gekommen waren. Auch nach 148 Jahren Vereinsgeschichte gibt es noch Premieren.
Erstmals traten gleich drei Chöre, darunter der Schulchor mit Zweit- und Drittklässlern der Bolandenschule, auf. Zur Bereicherung des 18-teiligen hochkarätigen Programms trugen auch die junge Chorformation "Piccoletto" und das sängerbundinterne A-Cappella-Quartett "Thek'Sett" bei. Besonders beeindruckte der Sängerbund mit seinem vielseitigen Liedgut, das die Tenöre und Bässe, ohne auch nur ein Notenblatt in den Händen, vortrugen. Fast das gesamte Repertoire bestand aus neu gelernten Liedern.
Unglaublich, wie divergierend das Vaterunser mit den Stimmen eines Chores geformt, ja zelebriert werden kann. Was aus den Kehlen kam, wurde zu einem Klangerlebnis der besonderen Art. Die Bearbeitungen reichten von russisch-orthodox bis marianisch geprägter Religiosität und eröffneten den Wiesentaler alle Möglichkeiten, ihr Können zur Entfaltung zu bringen. Für ihren Auftritt hatten sich die Sänger gefühlvoller Kompositionen und Bearbeitungen von Hanne Haller, Nicolas Kedrov, Hans Lang und Wolfgang Tropf zugewandt.
An den Programmbeginn stellten die Sängerbündler den wohl schwierigsten Part: den "Landsknecht" von Otto Siegl. Dabei handelt es sich um ein äußerst anspruchsvolles Chorwerk, an das sich nur wenige Gesangvereine wagen. Im Mittelpunkt des Geschehens: ein raubeiniger, plündernder Söldner, der einer jungen Frau aus Mitleid hilft und dafür im Himmel belohnt wird.